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Georg Mascolo



Georg Mascolo (* 26. Oktober 1964 in Stadthagen) ist ein deutsch-italienischer Journalist. Er war von 2008 bis 2013 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Seit 2014 leitet er den neu geschaffenen Rechercheverbund des NDR, des WDR und der Süddeutschen Zeitung. Außerdem ist er für die ARD als Terrorismusexperte tätig.[1]

Mascolo während der 53. MSC 2017

Inhaltsverzeichnis


Leben und berufliche Laufbahn

Mascolo ist Sohn einer deutschen Mutter und eines aus Castellammare di Stabia am Golf von Neapel stammenden promovierten italienischen Germanisten. Nach Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notargehilfen absolvierte er ein Volontariat bei seinem Heimatblatt Schaumburger Zeitung.[2]

Als freier Mitarbeiter beim privaten Radiosender FFN recherchierte er über die Spielbank-Affäre in Hannover und bekam so Kontakt zu Stefan Aust, der ihn 1988 zu Spiegel TV holte. Unter anderem berichtete Mascolo über die Ereignisse um den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung.[3] Mit den Kameraleuten Rainer März und Germar Biester berichtete er von der Ostseite des Berliner Grenzübergangs Bornholmer Straße über den historischen Moment, als die DDR-Grenzer ohne Befehl den Schlagbaum öffneten.[4] Die Reportage stellt ein Dokument der Zeitgeschichte dar und wurde von der UNESCO ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.[5]

1992 wurde Mascolo stellvertretender Leiter des Berliner Büros des Spiegel und im Jahr 2000 Leiter des Ressorts „Deutschland II“, bevor er ab 2004 als politischer Korrespondent in den USA tätig war. 2007 wurde er gemeinsam mit Dirk Kurbjuweit zum Leiter des Berliner Hauptstadtbüros berufen.[6]

Georg Mascolo als Laudator beim Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2013

Mascolo wurde am 5. Februar 2008 gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur des Spiegel, wobei die Verantwortung für die Printausgabe wöchentlich wechselte.[7] Am 21. Februar 2011 übernahm er die alleinige Verantwortung für die Printausgabe.[8] Nachdem bereits im Vorfeld Gerüchte über fortgesetzte Zwistigkeiten zwischen den seit Jahren rivalisierenden Chefredakteuren kursiert hatten,[9] wurden beide Chefredakteure schließlich am 9. April 2013 mit sofortiger Wirkung abberufen.[10]

Am 31. Oktober 2013 sprach Mascolo in Moskau zusammen mit dem Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele mit Edward Snowden über dessen Enthüllungen in der NSA-Affäre.[11]

Seit 2014 leitet Mascolo den neu geschaffenen Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.[12] Für diese Arbeit wurde er im gleichen Jahr in der „Kategorie Politik“ als Journalist des Jahres ausgezeichnet, weil er sein „ganzes Talent als herausragender Rechercheur“ gezeigt und „in der Rolle des sachkundigen, unaufgeregten Analytikers der Rechercheergebnisse in etlichen politischen (TV-) Diskussionen“ geglänzt habe.[13]


Krieg der Worte

In seinem Tübinger Vortrag im Rahmen der Mediendozentur zum Thema Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge forderte Mascolo Journalisten auf, Fehler zuzugeben und Falschmeldungen zu korrigieren. Er habe sich dieser Verpflichtung der längsten Zeit seines Berufslebens entzogen wie die meisten anderen Journalisten auch, zitiert Kristine Keck ihn in der Stuttgarter Zeitung. Journalisten hätten die Bedrohung ihrer Glaubwürdigkeit zu lange ignoriert. In seiner Darstellung von Fake News und Propagandatechniken betonte Mascolo außerdem die Stärkung der Rolle des Staates und gleichzeitig die Verantwortung der Internetkonzerne wie der Medien.[14]


Mitgliedschaften und Funktionen


Privates

Mascolo besitzt sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsangehörigkeit.[17] Er ist mit der Stern-Autorin Katja Gloger verheiratet und hat erwachsene Zwillingstöchter.[18]


Zitat

„Journalismus ist unverzichtbar in der Demokratie, er liefert den Menschen die Informationen die sie benötigen, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Informieren, nicht missionieren, ist der Auftrag. Zugang zu verlässlichen Informationen ist ein Grundrecht und nicht weniger wichtig als der Zugang zu guter Bildung, Gesundheitsversorgung oder sauberem Wasser.“[19]

„Beschäftigen Sie sich mit Positionen und Meinungen, die Sie nicht teilen. Heute ist es einfach, unter sich zu bleiben, immer in der eigenen Echokammer. Aber es ist notwendig und gut, sich mit jenen auseinanderzusetzen, die man am wenigsten versteht. Die Demokratie ist kein Schützengraben. Sie lebt davon, daß wir uns zuhören.“[20]


Schriften

  • Krieg der Worte. Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge. Entstanden im Rahmen der Tübinger Mediendozentur, Tübingen 2017.
  • Ausbruch: Innenansichten einer Pandemie - Die Corona-Protokolle. Mit Katja Gloger. Piper Verlag, München 2021, ISBN 978-3-492-99903-8.

Weblinks

Commons: Georg Mascolo  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. tagesschau.de: Mascolo: Seit wann interessiert sich der IS für Ramstein? Abgerufen am 12. April 2017.
  2. Ulrike Simon: Interview mit Georg Mascolo: „Geheimnisbruch gehört dazu“. Archiviert vom Original am 7. April 2011; abgerufen am 26. Juli 2011.
  3. Georg Mascolo: Die Nacht, in der die Mauer fiel: „Wir fluten jetzt“. In: Spiegel Online, 5. November 2004.
  4. Dokumentarfilme – Der friedliche Umbruch in der DDR und der Mauerfall: Ode an die Freiheit. In: Chronik der Mauer.
  5. Petra Rösgen, Henrike Girmond, Johanna Sänger: Ausstellungseröffnungen: Und dann war die Mauer weg. In: Museumsmagazin online, Nr. 4/2010; Michael Hanfeld: Weltdokumentenerbe: Bilder, die uns allen etwas sagen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. August 2011.
  6. Erich Wiedemann: Der Fall Stefan Aust. Abgerufen am 1. März 2011.
  7. In eigener Sache: Blumencron und Mascolo neue Chefredakteure des Spiegel. In: Spiegel Online, 5. Februar 2008.
  8. Michael Hanfeld: Einsam an der Spitze. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.
  9. Kai-Hinrich Renner: Paukenschlag beim „Spiegel“: Chefredakteure müssen gehen. In: abendblatt.de, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.
  10. In eigener Sache: Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als Spiegel-Chefredakteure abberufen. In: Spiegel Online, 9. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.
  11. Ströbele trifft Snowden in Moskau. (Memento vom 2. November 2013 im Internet Archive) In: Tagesschau.de, 31. Oktober 2013.
  12. Georg Mascolo wird Chef-Rechercheur In: Frankfurter Allgemeine, 24. Januar 2014
  13. Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014 , abgerufen am 20. Dezember 2014
  14. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Georg Mascolo an der Tübinger Universität: Die Macht der Lügen. Abgerufen am 19. Mai 2019.
  15. http://www.acgusa.org/index.php?section=events&evtid=102
  16. http://www.acgusa.org/index.php?section=events&evtid=102
  17. Georg Mascolo munzinger.de
  18. Interview: Dagmar von Taube: Interview: "Kinder wollen ernst genommen werden". 29. November 2009 (welt.de [abgerufen am 19. Mai 2019]). 
  19. „Die Geschichte muss stimmen“. Abgerufen am 19. Mai 2019.
  20. „Demokratie lebt vom zuhören“. Abgerufen am 15. September 2021.




Quelle


Stand der Informationen: 17.12.2021 08:22:57 UTC

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