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Mister Aufziehvogel



Mister Aufziehvogel (jap. ねじまき鳥クロニクル Nejimakidori Kuronikuru [= Chronicle]) ist ein Roman von Haruki Murakami. Er erschien erstmals 1994/95 auf Japanisch und 1998 in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag. Dabei erfolgte die Übersetzung nicht direkt aus dem Japanischen, sondern aus der englischen Übersetzung von Jay Rubin. Dieser berichtet davon, dass er bei dieser Übersetzungsarbeit im Auftrag des Verlags mehrere Kürzungen vornahm. Dazu erklärt er in seinen Übersetzungen Logikfehler des Autors zu berichtigen.[1] Im Oktober 2020 erschien unter dem Namen Die Chroniken des Aufziehvogels eine Neuübersetzung aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.[2]

Inhaltsverzeichnis


Veröffentlichung

Der Roman Mister Aufziehvogel entstand aus der bereits 1986 von Murakami geschriebenen Kurzgeschichte Der Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen, die Murakami einige Jahre später wieder aufgriff, um daraus eine längere Geschichte zu schreiben. 1995 erschien die Kurzgeschichte in Deutschland in dem Erzählband Der Elefant verschwindet.[3]

Im japanischen Original erschien die Geschichte als Trilogie, die in der deutschen Ausgabe zu einer einzigen Ausgabe zusammengefasst wurde.

  1. Buch: Die diebische Elster (泥棒かささぎ編, Dorobō kasasagi hen)
  2. Buch: Vogel als Prophet(予言する鳥編, Yogen suru tori hen)
  3. Buch: Der Vogelfänger (鳥刺し男編, Torisashi otoko hen)

Beim Schreiben des Romans strich der Autor beim Bearbeiten ganze Kapitel, weil er fand, sie würden nicht ins Gesamtbild hineinpassen. Diese verwendete er später als Basis für seinen Roman Gefährliche Geliebte, der 1992 und damit noch vor Mister Aufziehvogel veröffentlicht wurde.[4]


Inhalt

Toru Okada, der Erzähler, wird auch Mr. Aufziehvogel genannt. Er ist 1984 um die 30 Jahre alt und bewohnt mit seiner Frau Kumiko und seinem Kater ein Einfamilienhaus in Tokio. Eines Tages verschwindet der Kater und Toru lernt auf der Suche nach ihm May Kasahara, ein Mädchen aus der Nachbarschaft kennen. Beide halten sich in einem verlassenen Haus in derselben Straße auf. Wenig später erhält Toru einen Anruf von Malta Kano, die sich mit ihm in einer Hotellobby verabredet. Zudem hat das Ehepaar Kontakt mit dem Wahrsager Honda, der in der Mandschurei gedient hat.

Malta Kano, deren Pseudonym auf einen Aufenthalt auf der gleichnamigen Mittelmeerinsel zurückgeht, ist ebenfalls eine Esoterikerin und die Schwester von Kreta Kano, die vor Jahren von Noboru Wataya, Kumikos älterem Bruder, vergewaltigt wurde. Die Kano-Schwestern bieten Toru ihre Hilfe bei der Suche nach dem Kater an, dabei kommt es zu Sex zwischen Malta und Toru. Über Honda kommt Toru in Kontakt mit Leutnant Mamiya, der im Zweiten Weltkrieg ebenfalls in der Mandschurei stationiert war und mit ansehen musste, wie ein Kamerad bei lebendigem Leib gehäutet wurde. Leutnant Mamiya wurde von mongolischen Soldaten in einen Brunnen geworfen, wo die Soldaten auf ihn urinierten.

Toru wird von Kumiko spontan verlassen und gerät dadurch in eine Lebenskrise. Motiviert durch die Erzählungen Mamiyas klettert er in den Brunnen auf dem Grundstück des verlassenen Hauses. Dort denkt er über seine Beziehung zu Kumiko nach und erinnert sich daran, wie er sie kennengelernt hat und dass sie vor einigen Jahren eine Abtreibung vornehmen musste. May Kasahara stiehlt im die Strickleiter. Kreta Kano hilft ihm nach Tagen aus dem Brunnen. May Kasahara verlässt später auch die Stadt. In einem Briefwechsel erklärt sie Toru, dass sie die Schule abgebrochen habe und stattdessen in einer Perückenmanufaktur arbeitet, wo es ihr sehr gut gefällt.

Aus der Zeitung erfährt Toru, dass das verlassene Haus von einem unbekannten Investor gekauft wurde und dass sich auf dem Grundstück schon mehrere Selbstmorde zugetragen haben. Währenddessen kehrt nach ungefähr einem Jahr sein vermisster Kater zurück.

Während seiner Aufenthalte in der Stadt lernt Toru Nutmeg Akasaka kennen, deren Sohn Zimt gehörlos und hochbegabt ist. Toru verschafft sich Zugang zu Zimts Computer und kann dort mit Kumiko chatten. Sie erzählt ihm davon, dass sie Torus Seitensprung sehr gekränkt hat und sie deshalb ebenfalls fremdgegangen sei. Schließlich bittet sie Toru, ihre Entscheidung zu akzeptieren und nicht mehr nach ihr zu suchen.

Noboru Wataya wird von einem Unbekannten krankenhausreif geschlagen, wobei Toru unter Verdacht gerät. In einem Brief an Toru gesteht Kumiko, dass sie im Krankenhaus Noborus Geräte abschalten will.


Kritik

„Und man kann sich wirklich Abende verlieren in diesen 700 Seiten. Ein Grund dafür ist eine ökonomische Begabung Murakamis, von der er bei der Konstruktion der Gesamtanlage seiner Erzählung leider gar keinen Gebrauch gemacht hat: eine an Salinger erinnernde Fähigkeit, den Alltag jener Jeunesse dorée mit ein paar Strichen zu zeichnen: die sorgfältig verschmutzten Turnschuhe des arbeitslosen Helden ebenso wie die einzeln in Zellophan verpackten Kostüme seiner verschwundenen Ehefrau im Einbauschrank. Oder die unendlich überlegte Garderobe wohlhabender japanischer Damen zwischen Zwanzig und Dreißig.“

Stephan Wackwitz in: Frankfurter Allgemeine Zeitung[5]

Ausgaben

  • Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel. Aus dem Englischen von Giovanni Bandini und Ditte Bandini. DuMont, Köln 1998, ISBN 3-7701-4479-1.
  • Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel. Aus dem Englischen von Giovanni Bandini und Ditte Bandini. btb, München 2000, ISBN 3-442-72668-9.
  • Haruki Murakami: Die Chroniken des Aufziehvogels. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. DuMont, Köln 2020, ISBN 978-3-8321-8142-0.

Weblinks

  • faz.net Stephan Wackwitz: Frisch, fromm, frühromantisch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Februar 1999.

Einzelnachweise

  1. Jay Rubin: Murakami und die Melodie des Lebens: Die Geschichte eines Autors. 1. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 2004, ISBN 3-8321-7870-8.
  2. Die Chroniken des Aufziehvogels DuMont Buchverlag abgerufen am 27. September 2021.
  3. Michiko Kakutani: 'The Wind-Up Bird Chronicle': A Nightmarish Trek Through History's Web. In: The New York Times. 31. Oktober 1997, abgerufen am 23. Februar 2020 (englisch).
  4. Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller. DuMont Buchverlag, Köln 2016, ISBN 978-3-8321-9843-5, S. 75.
  5. faz.net




Quelle


Stand der Informationen: 20.12.2021 09:22:26 UTC

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